25.04.2007 - Der Jahrgang 2006
Weingut Schäfer-Heinrich, Württemberg, zum Jahrgang 2006:
Wenn 2006 etwas eine besondere Erwähnung verdient, dann mit Sicherheit der chaotische Witterungsverlauf. Das Weinjahr 2006 war ein Jahr voller Rekorde und Extreme, sehr abwechslungsreich aber für uns Winzer nicht ganz einfach.
Vom langen Winter und spätem Schnee ging es direkt in einen kalten, verregneten Frühling und Frühsommer. Die Reben waren in Ihrer Entwicklung teilweise 10-14 Tage zurück.
Doch dann pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft: Bilderbuchwetter, ein Jahrhundert-Juli mit den heißesten Temperaturen, seit diese aufgezeichnet wurden. Die Reben explodierten und entwickelten sich dank der ausreichend im Boden gespeicherten Feuchtigkeit vom Winter/Frühjahr prächtig. Wir kamen kaum mit der Arbeit nach.
Monatswechsel: Der Wonnemonat August mutierte zu einem schlechten Sommermärchen, zum kältesten und regenreichsten August seit vielen Jahren. Wir hatten genau zwei Tage ohne Niederschlag. Die Reben hatten das gut verkraftet, aber der Vegetationsvorsprung vom Juli war nahezu dahingeschmolzen. Untertext: Betretene Mienen nach berechtigten Hoffnungen.
Wieder Monatswechsel: September. Es folgte ein "Altweibersommer" par exellence, warm und trocken, mit lauen Nächten. Balsam für unsere Reben. Sie waren wieder voraus, schon Ende September begannen wir mit der Lese von Regent, Dornfelder und Grauburgunder, ja sogar die ersten Rieslinge wurden zum Glück schon geerntet.
Irgend etwas Beunruhigendes lag in der Luft. Dann kam der 3. Oktober: 50 l/qm Niederschlag in 24 Stunden prasselten auf hochreife Trauben. Von nun an war es ein Wettrennen mit bzw. gegen die einsetzende Fäulnis. Nur 10 Tage später, so schnell und so früh wie noch nie, hatten wir das Rennen gewonnen.
Durch den für uns eher untypischen, frühen Lesebeginn und der hohen Einsatzbereitschaft unseres Leseteams waren wir eigentlich immer noch zur rechten Zeit am rechten Ort und konnten so die Verluste, die wir durch das konsequente Auslesen und Verwerfen der befallenen Beeren hatten in Grenzen halten. An dieser Stelle möchten wir ganz herzlich unserer Lesemannschaft danken, die durch ihren unermüdlichen Einsatz, sorgfältige Arbeit, Überstunden und Sonntagsarbeit erheblich zu den Qualitäten, die jetzt im Keller bzw. auf der Flasche sind beigetragen haben.
Das Jahr 2006 hat uns wieder einmal gelehrt, dass ein Jahrgang erst nach der Ernte wenn er im Keller liegt, beurteilt werden kann. Alle anderen Beurteilungsversuche zu früheren Zeitpunkten sind einfach nur Spekulationen oder Hoffnungen. Doch das schöne am Wein ist, dass er einzigartig und individuell vom Witterungsablauf geprägt Jahr für Jahr ein wenig anders ist.
So präsentieren wir jetzt sehr fruchtige, gehaltvolle, lebendige Weine mit guter Struktur und Mineralik. Letzteres kommt von der guten Wasserversorgung im August.
Auch 2007 verfolgen wir die Witterung mit großer Aufmerksamkeit. Der wärmste Winter seit 1901, als man begann, die Temperaturen überhaupt aufzuzeichnen! Den Reben hat der laue Winter, in dem noch nicht einmal der Boden richtig gefroren war, nicht geschadet. Im Gegenteil, die Vegetation ist weit fortgeschritten. Die ersten Knospen brechen auf, doch die Zeit bis wir mit Sicherheit keine Nachtfröste mehr haben, wird lange währen. Auch der eine oder andere Schädling, der gewöhnlich im Winter auf natürliche Weise etwas dezimiert wird, kann uns bald mit voller Kraft beglücken. Doch warten wir es ab, wir sind guten Mutes.
Elke & Andreas Hieber Weingut Schäfer-Heinrich
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